Jekkes



Die Jeckes – denk ich an Deutschland“

Die Bewohner des Pinchas Rozen Elternheims in Ramat Gan stehen am Ende eines bewegten Lebens. Sie blicken zurück auf ihre Kindheit in Deutschland, ihre Flucht nach Palästina und berichten vom schwierigen Neuanfang in Israel. Sie sind Israelis geworden und haben das Deutschsein doch nie abgelegt. In ihrer neuen Heimat, an deren Aufbau sie maßgeblich beteiligt waren, werden sie liebevoll Jeckes genannt – verbunden mit der deutschen Kultur, geprägt von deutscher Sprache und Literatur.

In ihnen spiegelt sich das emotional brüchige Verhältnis zwischen Deutschland und Israel wieder. Täglich verfolgen die Bewohner des Heims die deutschen Nachrichten, schauen deutsches Fernsehen und lesen Emails von Enkeln, die ihnen aus der alten Heimat berichten. Hellhörig werden sie, wenn sich Deutsche zur Israel- Politik äußern. Dass der deutsche Nobelpreisträger Günther Grass behauptet, Israel gefährde den Weltfrieden, wird von den Bewohnern als unerträglich und verletzend empfunden. Das Thema Flüchtlinge betrachten die Jeckes kritisch und sehen wachsende Schwierigkeiten auf Europa und besonders Deutschland zukommen.

Im Alltag des Heims ist die deutsche Vergangenheit ständig präsent, viele der Bewohner sprechen bis heute ihre Muttersprache, was auch zu Konflikten führen kann. Etwa mit KZ-Überlebenden: denen es lieber wäre, im Heim würde überhaupt kein Deutsch gesprochen.

Der Film gibt einen intimen Einblick in das Gefühlsleben der Bewohner, ihre politischen Ansichten und ihr alltägliches Zusammenleben. Er führt den Zuschauer in eine Welt, die zu verschwinden droht.

 

 

Gertrud Klimovsky, geb. 1923, stammt aus Nürnberg.

Ihre Familie gehört der berühmten Kaufhaus Kette Schocken an, die bis 1930
zur viertgrößten Warenhauskette Deutschlands mit insgesamt 20 Filialen
expandiert. Gertrud war Jahre später wieder zu Besuch in Deutschland und
verfolgt bis heute Nachrichten und Filme im deutschen Fernsehen. Warum es
heute wieder so viele junge Israelis nach Berlin zieht, kann sie allerdings nicht
verstehen.

 

Eli, Jahrgang 1920 kommt aus Leipzig, verstorben am 27.1.2016.

Er war zunächst Ingenieur bei der Britischen Armee, später schloss er sich
der Hagana an. Er hat später 30Jahre in Deutschland für die Zigarettenindustrie
gearbeitet. Eli liebte deutsche Kreuzworträtsel und sang Schlager aus Berlin.
In der Werkstatt des Heimes fertigte er aufwändige Mosaike an, die er seinen
Freunden und Bekannten schenkte.

 

Schulamit kommt aus Berlin, sie ist noch vor der Kristallnacht geflohen.

Schulamit hat sich als junge Frau der Hagana, der zionistischen
paramilitärischen Untergrundorganisation angeschlossen. Schulamit erinnert
sich gerne an den Zoo in Berlin. Als damals Ihrem Vater, einem Anwalt,
das Arbeitsverbot erteilt wurde, haben die Eltern entschiedenauszuwandern.
Bei der Hagana hat Schulamit schießen und morsen gelernt. Ihre Tochter lebt
heute wieder mit ihrer Familie in Deutschland.

 

Yair, konnte 1938 fliehen.

Seinen Eltern sollten später nachreisen, kamen aus dem Nazideutschland
aber nicht mehr heraus und verloren im Vernichtungslager ihr Leben.
Yair kommt aus Berlin Wilmersdorf. Er folgte im Jahr 2013 der Einladung
nach Berlin anlässlich der Stolpersteinverlegung seiner Eltern, eine Rede zu
halten. Yair hat in Israel als Grafiker bei einer Druckerei gearbeitet, eine
Familie gegründet. Er hat zwei Kinder. Seine Geschichte füllt ein ganzes Buch.
Yairs Cartoon- Zeichnungen sprechen für sich.

 

Gideon Moser, geboren in Berlin.

Hat 20 Jahre in der israelischen Waffenindustrie gearbeitet. Er erinnert
sich an Bootsfahrten auf dem Müggelsee und berichtet, wie der Betrieb
seines Vaters beschlagnahmt worden ist. Den Glauben an die deutsche Kultur
habe er verloren, obgleich seine deutsche Herkunft ein Teil von ihm sei.
Deutschland hält er auch heute noch für ein fremdenfeindliches Land.

 

Shlomo Melchior ist 1933 in Deutschland geboren.

Er entstammt einer bürgerlichen Familie. Sein Vater kam aus Dortmund und
seine Mutter aus Duisburg. Seine Familie floh 1938 nach Argentinien. Shlomo’s
Vater konnte in Argentinien nicht als Zahnarzt arbeiten, sein Diplom war dort
nicht anerkannt. Die Familie hatte ein schweres Leben, schließlich lebten zu
dieser Zeit eine Menge Flüchtlinge in Argentinien. Er selbst sagt von sich und
seiner Familie, dass sie mehr deutsch als jüdisch waren, assimilierte Juden
eben. Zuhause hat man Deutsch gesprochen.

 

Viele haben sich mit dem Wechsel von der deutschen in die Israelische Heimat schwer getan. Noch heute pflegen die Jeckes ihre Muttersprache in einem schweren, präzisen Duktus, der an ein Deutsch der zwanziger Jahre erinnert. Die letzten Tage der „Jeckes“ sind angebrochen, eine Kultur die Israel maßgeblich mitbestimmt hat, ist dabei für immer zu verschwinden. Es wird klar, dass der letzte Mikrokosmos dieser Art bald nicht mehr existieren wird.

 

Bis jetzt…
Für den Dokumentarfilm „die Jeckes – denk ich an Deutschland“ sind wir in den vergangenen 4 Jahren mehrmals nach Ramat Gan gereist. „Wir“ sind drei unabhängige Medienschaffende.
Regie/ Kamera: Florian Krauß:
Florian Krauß war ab 2004 am Staatstheater Stuttgart als Regieassistent tätig. Er studierte anschließend von 2005 – 2012 Angewandte Theaterwissenschaft in Gießen und realisierte dabei zahlreiche eigene Projekte. Nach seinem Abschluss absolvierte er eine Ausbildung zum Fotodesigner am Lette-Verein in Berlin und arbeitet seitdem als freischaffender Fotograf und Videograf.
Schnitt/ Webdesign: Martin Bracke
Martin Bracke absolvierte die Prüfung zum Mediengestalter Bild und Ton (IHK) er arbeitet für das öffentlich-Rechtliche und die privaten TV- Sender.
Autor/ Producer: Sarah Burkhard:
Sarah Burkhard ist fremdsprachliche Wirtschaftskorrespondentin, freie Redakteurin, Producerin und und und.. Sie bewegt sich seit 1999 in der Film-und Fernsehwelt quer über den Globus.
»Absolute Herzenssache« – Sarah Burkhard dreht Filme zu jüdischen Themen und leitet den Kosher Culture Club Den Artikel können Sie hier lesen: http://www.juedische-allgemeine.de

Die Heimbewohner sind sehr glücklich über unser Projekt. Leider sind einige der Bewohner bereits verstorben. Eine Bewohnerin ist momentan auf der Krankenstation. In Berlin und Köln haben in den vergangenen Monaten diverse Treffen mit dem Regisseur Florian Krauß stattgefunden. Neben dem Trailer ist mittlerweile ein Rohschnitt entstanden. Ein belgischer Sender zeigt Interesse an dem fertigen Film, sowie das Sputnik Kino in Berlin. Wir warten auf eine Senderzusage.
Am 27.1.2016 erreichte uns unerwartet die traurige Nachricht, dass einer unserer Hauptprotagonisten verstorben sei. Kurzfristig konnten wir hierzu von Deutschland aus einen Volontär gewinnen, der uns Filmmaterial zugespielt hat.
Ziel des Filmprojektes: Die Jeckes – denk ich an Deutschland (AT) ist, über diverse Medien wie TV, Kino, Festivals etc. so viele Menschen wie möglich zu erreichen und über die Existenz der Jeckes zu berichten. Denn die echten Jeckes werden irgendwann verschwinden.

Unser Dank gilt:
Dem Pinchas Rozen Elternheim, Stiftung Zurückgeben, Adobe, jüdische Gemeinde Berlin, Wiesefilm AG, die jüdische Allgemeine Zeitung, Dorothea Kriele, Vika Gurtovaj, Oliver Vrankovic, Sharon Burkhard, Julia Goldberg-Katz, Dr. Paul F.M.J. Verschure,…

 

Hier können Sie das Filmprojekt mit einer Überweisung auf folgendes Konto unterstützen:

Konto: Jeckes

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Hier können Sie im blog von Oliver Vrankovic mehr über die Protagonisten erfahren:

Die Jeckes (pt.1+2)